Tulufan I – Von Betten & Gräbern…

Und weiter geht die Reise: Für uns ging es nun nach Tulufan* und dazu gibt es heute erst einmal ein paar Fakten und Teil 1 unserer Tulufan-Entdeckungstour:

Anreise

  • 45-minütige Fahrt mit Bus No. 10 vom Pearl Hostel in Jiayuguan bis zum Südbahnhof, 1 RMB / ca 0,13 EUR pP (Achtung! Von diesem Bahnhof fahren nur die Schnellzüge; der Bahnhof im Westen ist für die Bummelzüge und erreichbar mit Bus No. 1)
  • 5 1/2-stündige Fahrt mit dem Zug von Jiayuguan Süd bis Turpan Nord, 285,40 RMB / ca 36 EUR pP
  • 30-minütige Fahrt mit Bus No. 202 von Turpan Nord bis ins Stadtzentrum, 1 RMB / ca 0,13 EUR
  • 20-minütiger Spaziergang bis zum Hostel

Die Stadt

Tulufan ist eine quirlige Kleinstadt in der gleichnamigen Senke. Im Sommer werden hier die höchsten Temperaturen in ganz China gemessen; 38 Grad sind dann keine Seltenheit. Auch wir fanden es an manchen Tagen ziemlich heiß, aber dennoch gut ertragbar, denn hier fehlte es an Feuchtigkeit; was hieß, weniger Schwitzen und weniger Ermüdung. Und am späten Abend konnte man sogar die Fenster öffnen, erfreute sich an kühler Luft und musste auch keine Angst vor Mücken haben, denn die sind hier äußerst selten. Was ein Glück!

Die Unterkunft

Manch einer fragt immer wieder, wie wir unterwegs so schlafen; daher heute einmal etwas ausführlicher: Wir waren im Dap Youth Hostel und haben uns dort sehr wohl gefühlt. Die Anlage ist im typischen Uigur-Stil erbaut. Der große Innenhof mit seinen Wein-Spalieren und dem im Inneren liegenden Kleingarten lädt zum Verweilen und Faulenzen ein.

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Hier findet man die Rezeption, Sitzmöglichkeiten, Informationen zu den Sehenswürdigkeiten, Geschirr, Bücher, Spiele und Getränke (Bier 500 ml für 5 RMB / ca 0,60 EUR; Wasser 500 ml für 1 RMB / ca 0,13 EUR). Von hier, aber auch vom zweiten, etwas ruhigeren Innenhof gelangt man dann auch in die jeweiligen Zimmer: Zu den Doppelzimmern, Familienzimmern und Schlafsälen für vier bis acht Personen.

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Wir schliefen im 4-Bett-Schlafsaal und zahlten 50 RMB / ca 6,30 EUR pro Bett. Kleines Manko: Man konnte nur die Privatzimmer, nicht aber die Schlafsäle abschließen. Da es aber Schließfächer in Rezeptionsnähe gibt, gewöhnten wir uns recht schnell daran. Die Gemeinschaftsbäder waren sehr sauber, daneben gab es auch einen Wäscheplatz. Und das Tollste daran war: Die per Hand geschruppten Sachen waren innerhalb von zwei Stunden trocken. Für Waschfaule gibt es aber auch eine Waschmaschine (Preis unbekannt)…

Das Museum

Nun aber auf zur ersten Sehenswürdigkeit (davon hat es übrigens einige in Tulufan): Im kostenfrei zugänglichen Turpan-Museum findet man viele Informationen zur Geschichte der Stadt und Umgebung. Daneben beherbergt es eine Sammlung ausgegrabener Leichen und Gegenstände der Gräber und Ruinenstädte aus der Region. Gut, dass wir kurz zuvor bereits auf einem Friedhof waren.

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Denn zusammen mit den Informationen aus dem Museum konnten wir uns nun ungefähr ein Bild von den Bestattungsritualen aus damaliger Zeit machen:

Die im 5. und 6. Jh hier lebenden Chinesen glaubten, dass das Leben nach dem Tod komplett ohne Bürokratie und ohne Geld verläuft. Aus diesem Grund beinhalteten die meist per Treppe zugänglichen, sehr räumlich gestalteten Grabstätten auch fast nur Alltagsdinge: Essen, Kleidung, Schuhe, Geschenke und Tierfiguren. Daneben wurden bei den Ausgrabungen auch häufig Bücher, Manuskripte und sonstige Dokumente gefunden. Die Verstorbenen selbst wurden in Tücher gewickelt und meist in hölzernen Boxen oder auf bettähnlichen Holzgestellen beerdigt. Ehemann und Ehefrau wurden generell zusammen beerdigt (wir gehen einfach mal davon aus, dass das nicht immer zeitgleich erfolgen musste), manchmal wurde ein Mann aber auch von zwei oder drei Frauen begleitet.

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Und das Erstaunlichste ist, dass es sich bei den Mumien um natürlich getrocknete Mumien handelt, die dank der niedrigen Luftfeuchtigkeit bis heute sehr gut erhalten sind.

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Das Minarett

In Tulufan gibt es ein Minarett (Sugong Ta), das Prinz Suleiman 1777 zu Ehren seines Vaters, General Emin Hoja, erbauen ließ. Das Bauwerk hat einen besonderen architektonischen Reiz, weil mit gebrannten Lehmziegeln 15 verschiedene, ringförmig angebrachte Motive an der Außenfassade geschaffen wurden. Wir wollten uns das nur 3 km vom Hostel entfernte Minarett zumindest einmal von außen ansehen, da wir den Eintritt von 65 RMB / ca 8,30 EUR pP schlicht für zu hoch empfanden. Allerdings trennte uns und das Minarett eine recht große Mauer inklusive Stacheldraht, so dass wir nur Eindrücke aus großer Entfernung erhaschen konnten. Na, was soll’s…

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Und wie war so unser erster Eindruck von der Stadt? Klasse, genau unser Ding!

* Den meisten ist die Stadt eher bekannt als Turpan oder Turfan; Tulufan ist aber auch eine offizielle Bezeichnung und finden wir einfach schöner : )

Quellen: Heßberg & Schulze: Chinesische Seidenstrasse – Reisen zwischen Xi’an, Ürümqi und Kashgar, 1. Aufl. 2014 mwN, hostelworld.com, chinarundreisen.com; travelchinaguide.com

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