Tulufan II – Antike Stadt & Kunst der Bewässerung

Wie bereits im letzten Beitrag erwähnt, gab es in Tulufan einiges zu entdecken; und all das wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten…

Nächste Entdeckung: Wirklich alte Überbleibsel 

Wir waren in einer Ruinenstadt, in Jiao He (uigurisch: Yar). Jiao He wurde vor etwa 2.300 Jahren (!) erbaut und ist die größte (1.650 m lang, 300 m breit), älteste und best erhaltendste Stadt der Welt. Sie wurde auf einer hoch über zwei Flüssen liegenden Terrasse errichtet, weswegen ihr Name übersetzt auch bedeutet: „Zwischen zwei Flüssen“.

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Historischen Aufzeichungen zufolge war Jiao He das Zuhause von 700 Haushalten (6.500 Einwohner und 865 Soldaten) und seit etwa 200 Jahren vor der Zeitrechnung der Regierungssitz des lokalen uigurischen Königshauses. Gerade unter der Herrschaft der Uiguren erlebte die Stadt damals eine künstlerische und religiöse Blütezeit. In diesem Zusammenhang: Die damaligen Religionen – chinesischer und tibetischer Buddhismus, Manichäismus, Nestorianismus* und Islam – existierten hier friedlich nebeneinander – welch wunderbarer Gedanke…

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Im Jahr 1209 wurde die Stadt durch die Mongolen zerstört und seitdem auch nicht mehr bewohnt. Selbst heute aber beeindruckt Jiao He noch immer mit ihrer weiträumigen Größe. Wenngleich die tragenden Holzelemente längst entfernt wurden (Holz in einer Oase ist eben sehr wertvoll) und die Lehmmauern auch durch Menschenhand und Erosion in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist die Ruinenstadt daher auf jeden Fall einen Besuch wert.

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  • Eintrittspreis: 70 RMB / ca 8,90 EUR pP.
  • Anreise ab Hostel: Bus No. 5 bis Dashizi oder No. 206 bis Endstation, dann Bus No. 101 bis Endstation, ab hier 5-6 km laufen.
  • Beste Zeit für einen Rundgang: Morgens oder spätnachmittags. Wichtigste Mitbringsel: Wasser & Kopfbedeckung.

Und dann: Wasser marsch!

Tulufan war über viele Jahrhunderte Zentrum des Handels zwischen West und Ost, aber auch ein Ort mit einer fruchtbaren Oasenwirtschaft, und das insbesondere dank der hier angelegten Karez-Kanäle. Hierbei handelt es sich um ein besonderes unterirdisches Leitungs- und Brunnensystem, mit welchem tiefliegendes Grundwasser, das aus dem geschmolzenen Schnee vom naheliegenden Tianshan-Gebirge stammt, abgeleitet und dann zur Bewässerung in die gesamte Region zugeleitet wird.

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Tulufans Karez-System hat eine Gesamtlänge von etwa 2.100 km. Die durchschnittliche Länge eines von den Bergen kommenden Kanals beträgt 14 km. Viele Kanäle sind niedrig und schwer zu pflegen, es wurden daher immer wieder Sicht- und Kontrollschächte eingebaut, die daneben auch als Brunnen genutzt werden können.

Erschreckend, aber wahr: Wir waren erneut im Museum, im sogenannten Karez Folk Custom Garden. In dem sehr kleinen, aber ganz hübsch eingerichteten Museum kann man etwas über die Technik und Konstruktion der Kanäle lernen und einen echten Kanal unter der Erde besuchen.

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Leider waren die Informationen recht überschaubar und auch der Kanal kein wirklicher Blickfang, so dass ein Ausflug hierher unseres Erachtens nicht unbedingt lohnt. Nett war’s aber trotzdem.

  • Eintrittspreis: 40 RMB / ca 5,10 EUR pP.
  • Anreise ab Hostel: : Bus No. 5 bis Dashizi oder No. 206 bis Endstation, dann Bus No. 101 bis Endstation, ab hier 4 km laufen. Alternativ: Bus No. 202 bis ein oder zwei Stationen vor Bahnhof Turpan Nord, ab dort 2 km laufen.

Tulufansche Atmosphäre

Wie ihr seht, verweilten wir ein paar Tage in Tulufan und haben die Stadt daher auch in alle möglichen Richtungen erkunden können. Unsere Ausflüge führten uns durch Wohnviertel…

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…und auch entlang der Weinanbaugebiete.

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Wir waren zwar nicht im sogenannten Traubental (eine weitere Attraktion mit einem Eintrittspreis von 75 RMB / 9,50 EUR pP), aber probieren konnten wir sie trotzdem, einmal als Trauben und dann auch als frisch gepressten Saft (ein kleines Glas für 5 RMB / ca 0,60 EUR). Sehr lecker. Und an dieser Stelle vielleicht noch erwähnenswert: Der Fruchtzuckeranteil in Tulufans Trauben soll mit über 20 % weltweit einmalig sein**, also etwas für ganz besonders süße Naschkatzen…

* Manichäismus = eine Offenbarungsreligion der Spätantike (Erlösung dank Askese und Reinheit, Nestorianismus = christologische Lehre (Teilung der göttlichen und menschlichen Natur in der Person Jesus Christus)

** Durchschnittliche Weintrauben werden von fddb.info mit ca 16 % Zuckeranteil angegeben.

Quellen: Heßberg & Schulze: Chinesische Seidenstrasse – Reisen zwischen Xi’an, Ürümqi und Kashgar, 1. Aufl. 2014 mwN, german.cri.cn, travelchinaguide.com, ancientpages.com

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